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Stichwort: Ahorn-Karree 2020

 

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Uneingeschränkt wohlfühlen im Dorotheenboulevard

Manchmal führt kein Weg an einer Unterbringung in einer geschützten Einrichtung vorbei. Insbesondere dann, wenn die Gefahr besteht, dass Menschen mit schwerer Demenz sich selbst oder andere gefährden. Geht dies mit einer sozialen Isolation einher? Wie verändert sich das Leben für die Betroffenen und ihre Angehörigen? Mit ihrem Leuchtturmprojekt Ahorn-Karree im Dorotheenviertel Hilden gibt die Graf Recke Stiftung innovative Antworten auf diese Herausforderung. Dass sie mit ihrem besonderen Konzept, den Bedürfnissen ihrer Bewohner nach Normalität und Teilhabe sowie Individualität und Wohlbefinden gerecht werden kann, hat sich die Stiftung auf die Fahne geschrieben und errichtet dazu ein neues Quartier mit modernen Hausgemeinschaften. Herzstück des Ahorn-Karrees wird der Dorotheenboulevard sein, ein Ort für Begegnungen und Austausch. Im Gespräch mit Özlem Yılmazer erzählt Einrichtungsleiter Michael Zieger, wie genau dies gelingen soll – und auch, warum dieses besondere Engagement der Graf Recke Stiftung auch Spender und Förderer benötigt.

Einrichtungsleiter Michael Zieger

Warum ist der Dorotheenboulevard für das Ahorn-Karree so wichtig?

Er ist das zentrale Element unseres Projekts. Wenn wir ein normales Pflegeheim gebaut hätten, hätten wir eine Eingangshalle und vielleicht noch einen Speisesaal geplant. Wir haben im Ahorn-Karree aber eine ganz andere Konzeption: Wir wollen den Menschen, die hier geschützt untergebracht sind, ermöglichen, am Leben teilzuhaben und ihren gewohnten Alltag zu leben. Woraus besteht denn der Alltag? Der besteht zum Beispiel daraus, dass ich für meine Hausgemeinschaft einkaufen gehe, dass ich mich bewege und dass ich anderen Menschen begegne. Und all das ermöglichen wir hier. In dieser Form gibt es in Deutschland kein vergleichbares Projekt.

Was bietet der Dorotheenboulevard?

Im Dorotheenboulevard treffen die Bewohner auf Angebote, die sie aus dem Alltag kennen und die auch für Normalität stehen: Ein Supermarkt, ein Restaurant-Café, ein Friseursalon, eine Praxis, den Graf Recke Saal für Veranstaltungen und Gottesdienste, ein zentraler Platz, ein großer Sinnesgarten und eine ganz besondere Lobby.

Eine Lobby ist ja in der Regel kein besonderer Ort. Was machen Sie anders?

Die Idee ist es, außen nach innen zu holen. Wir planen eine wunderschöne Pflanzinsel mit einem Brunnen, für die wir dann hoffentlich Spender finden. Der Eingangsbereich erhält ganz viel Tageslicht. Die gesamte Lobby ist gestaltet wie die Häuser des Ahorn-Karrees außen gestaltet sind. Das heißt, die Wände nehmen die Farben der Häuser auf, an die sie angrenzen. Als Bewohner erhalte ich dort das Gefühl, draußen zu sein, obwohl ich überdacht bin. Die Lobby ist der Eingang in das Ahorn-Karree, dort wird man empfangen und erkennt sofort, was uns von anderen Einrichtungen unterscheidet: Auf der linken Seite befindet sich der Supermarkt für den täglichen Bedarf und rechts das Restaurant, kein Speisesaal wie in einem Pflegeheim. Eine freundliche Mitarbeiterin steht hinter der Theke. Bewohner und Angehörige können sich zusammen hinsetzen, einen Kaffee trinken oder etwas essen. In der Lobby wird immer viel los sein. Ich kann mir dort sehr gut einen großen Bildschirm vorstellen, wenn Fußball-WM ist oder die Bewohner sich zusammen mit Mitarbeitenden oder Angehörigen die Karnevalssitzung oder den Rosenmontagsumzug anschauen. Und im Sommer können wir die Außenterrasse auf dem Dorotheenplatz nutzen. Die Bewohner können in der Sonne oder im Schatten unter Bäumen sitzen und sich unterhalten.

Wie wird der Boulevard mit Leben gefüllt?

Ein wesentlicher Ort für Begegnungen ist auch der großzügige Graf Recke Saal, der je nach Einsatzzweck räumlich unterteilt werden kann. Wir können dort eine Kapelle abteilen, um unsere konfessionsübergreifenden Gottesdienste, Andachten oder Verabschiedungen durchzuführen. Aktuell halten wir die Gottesdienste im Foyer, der natürlich anders wirkt als ein sakral gestalteter Raum. Daher ist die Freude auf die Kapelle im Dorotheenboulevard auch sehr groß. Ich kann dort aber auch Konferenzen, Schulungen, Informationsabende oder Filmvorführungen im Saal veranstalten. Komplett geöffnet bietet er Platz für hundert Personen, etwa für unsere traditionelle alljährliche Karnevalssitzung mit dem Hildener Dreigestirn. Die findet bisher auch im Foyer statt. Mit dem neuen und großen Saal können wir auch diese Veranstaltung einem breiterem Publikum öffnen und auch Vereine und Initiativen in das Ahorn-Karree einladen und kooperieren. Das ist aktuell nur sehr begrenzt möglich.

Welche konkreten Aktionen und Projekte wird es für Bewohner geben?

Das wird sich alles entlang der Wünsche und Bedürfnisse der Bewohner und unter Einbindung unserer Mitarbeitenden und der Angehörigen entwickeln. Wir möchten Neues anbieten und bestehende Angebote ausweiten. Wir planen Musikprojekte und Leseabende mit unseren Bewohnern, ebenso Kunstprojekte mit der Unterstützung von Kunsttherapeuten, die wöchentlich Malworkshops anbieten. Auch im Bereich Mobilität können wir dann mehr ermöglichen, wie Kraft-Balance-Trainings und angepasste Gymnastik. Viele Angehörige entscheiden sich nach dem Verlust der Mutter oder des Vaters, ehrenamtlich aktiv zu werden, weil sie sich uns verbunden fühlen. Dafür wird es ebenfalls mehr Raum und neue Möglichkeiten etwa für Kreativangebote geben. Tiergestützte Therapien sind auch sehr beliebt bei unseren Bewohnern.

Richten sich die Veranstaltungen im Saal auch an Menschen, die keine Mitarbeitenden oder Angehörige sind?

Ja, das wollen wir ausbauen. Wir haben jetzt schon einige Kooperationen, doch die neuen räumlichen Möglichkeiten werden Potenzial für weitaus mehr anbieten. Ob kulturelle Angebote im Graf Recke Saal wie Theater oder Musik in Zusammenarbeit mit Vereinen und Initiativen, ob Foto-AG: Die Kooperationspartner können unsere Räume nutzen, ihre Arbeiten ausstellen oder vorführen und damit auch Menschen, die keinen direkt Bezug zum Ahorn-Karree haben, zu uns bringen. Das bereichert das Leben unserer Bewohnerinnen und Bewohner, die gemeinsam mit ihren Angehörigen oder unseren Präsenzkräften dann zum Beispiel die Ausstellung der Foto-AG besuchen. Wir wollen auch generationenübergreifende Projekte anbieten und ausbauen. Wir erhoffen uns auch, dass die Angehörigen mehr Zeit im Ahorn-Karree verbringen, einfach weil sie sich bei uns wohlfühlen.

Einkaufen, ein Theaterstück besuchen – klingt banal. Welche Rolle spielt Normalität?

Uns ist wichtig, dass die Menschen, die hier ja geschützt untergebracht sind, dies nicht als Einschränkung empfinden, sondern sich uneingeschränkt wohlfühlen. Sie können sich im Ahorn-Karree frei bewegen, sie können das riesige Gelände, das insgesamt vier Hektar groß ist und einen Sinnesgarten mit rund 12.000 Quadratmetern hat, erwandern und erkunden. Zentrale Bedürfnisse werden gestillt: Ich habe als Bewohner meine Privatheit, meine familiäre Gemeinschaft und einen privaten Innengarten in der Hausgemeinschaft. Über die Wohnungstür kann der Bewohner nach draußen gehen und hat dann viele Möglichkeiten: Natur, Pferde und Garten und den Dorotheenboulevard fürs Einkaufen, Flanieren und zum Kontakte knüpfen.

Warum ist es so wichtig, Begegnung und Austausch zu fördern?

Das ist das, was der Mensch braucht. Außer einem Mönch oder einem Eremiten braucht jeder Mensch Kontakt. Die meisten Menschen möchten ihre Bezugsgruppe haben. Sie möchten aber auch mal aus der Familie raus und mehr Leute treffen können. Und unsere Bewohner können nicht einfach in den Bus steigen und nach Hilden in die Fußgängerzone fahren, zumindest nicht alleine. Gemeinsam machen wir auch Marktfahrten und Ausflüge. Aber im Ahorn-Karree kann ich das alles auch alleine ohne Begleitung, wann immer ich das will. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann ich spazieren gehen, herumlaufen und mich bewegen. Der Bewegungsdrang ist bei vielen Menschen mit Demenz sehr hoch. Es gibt leider auch Einrichtungen mit einer geschützten Demenzstation, wo die Patienten tagein tagaus den einen Flur rauf- und runterlaufen und vielleicht noch einen Demenzgarten von 30 Quadratmetern haben, der dann eher an einen Tigerkäfig erinnert. Wir schaffen hier ganz andere Möglichkeiten und das ist das, was für den Bewohner zählt. Ich kann all das tun und erlebe es nicht als geschlossene Unterbringung erleben.

Warum ist es so wichtig, Begegnung und Austausch zu fördern?

Das ist das, was der Mensch braucht. Außer einem Mönch oder einem Eremiten braucht jeder Mensch Kontakt. Die meisten Menschen möchten ihre Bezugsgruppe haben. Sie möchten aber auch mal aus der Familie raus und mehr Leute treffen können. Und unsere Bewohner können nicht einfach in den Bus steigen und nach Hilden in die Fußgängerzone fahren, zumindest nicht alleine. Gemeinsam machen wir auch Marktfahrten und Ausflüge. Aber im Ahorn-Karree kann ich das alles auch alleine ohne Begleitung, wann immer ich das will. Zu jeder Tages- und Nachtzeit kann ich spazieren gehen, herumlaufen und mich bewegen. Der Bewegungsdrang ist bei vielen Menschen mit Demenz sehr hoch. Es gibt leider auch Einrichtungen mit einer geschützten Demenzstation, wo die Patienten tagein tagaus den einen Flur rauf- und runterlaufen und vielleicht noch einen Demenzgarten von 30 Quadratmetern haben, der dann eher an einen Tigerkäfig erinnert. Wir schaffen hier ganz andere Möglichkeiten und das ist das, was für den Bewohner zählt. Ich kann all das tun und erlebe es nicht als geschlossene Unterbringung erleben.

Warum sollte ich als Spender den Dorotheenboulevard unterstützen?

Wir schaffen mit dem Ahorn-Karree ein bundesweit einmaliges neues Angebot. Aber alles das, was wir hier im Dorotheenboulevard machen, sei es der Graf Recke Saal, sei es der Supermarkt, der riesige Garten, der Dorotheenplatz, die großzügige Lobby, … ist eben nicht die Regel. Wir machen weitaus mehr als den Standard. Aber das sind Kosten, die nicht refinanziert sind, für die wir zusätzliche Mittel benötigten. Um den Dorotheenboulevard auszubauen und mit Leben zu füllen, benötigen wir Spenden. Wir setzen uns für einen neuen Umgang mit der gesellschaftlichen Herausforderung Demenz ein und bieten auch eine Antwort, die Nachahmer finden sollte. Wir hoffen, dass unsere Botschaft viele engagierte Menschen erreicht, die erkennen, dass dieses Projekt heraussticht und zukunftsweisend ist. Wir wissen, dass viele Menschen ungern in Steine investieren, aber genau dieser Steine bedarf es eben auch, damit aus den Steinen Häuser entstehen, damit sich Menschen, in diesem Fall Menschen mit schwerer Demenz, in diesen Häusern auch wohlfühlen und Lebensqualität in einem Umfeld voller Würde und Respekt erfahren. Und das ist es letzten Endes, was man mit einer Spende unterstützt!