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Ohne Scheu ins virtuelle Klassenzimmer

Der Einzug ins neue Ahorn-Karree musste vergangenes Jahr verschoben werden, aber die Vorbereitungen gehen weiter. Dazu gehört auch die Ausbildung der neuen Präsenzkräfte. Corona zum Trotz geht jetzt nach der Pilotphase der zweite Jahrgang an den Start – vorwiegend online.

Im Mai vergangenen Jahres gab es eine schlechte Nachricht aus dem Ahorn-Karree im Dorotheenviertel Hilden: Ein Wasserschaden verhinderte den pünktlichen Einzug in die ersten Hausgemeinschaften des Leuchtturmprojekts. Doch der Start des innovativen Angebots für Menschen mit schwerer Demenz ist nur aufgeschoben, die Neubauten sollen möglichst rasch bezugsfertig gemacht werden. Und auch die Präsenzkräfte-Ausbildung, die 2018 in Eigenregie in der Graf Recke Wohnen & Pflege entwickelt und als Pilotprojekt gestartet wurde, geht nicht nur in ihre nächste Runde, sondern wurde jetzt sogar als berufliche Zusatzqualifikation IHK-zertifiziert, berichtet Sandra Hübner, zuständig für die Personalentwicklung in der Graf Recke Wohnen & Pflege.

Das neue Curriculum ist Grundlage für ein Konzept, das den besonderen Bedürfnissen von Menschen mit schwerer Demenz im neuen Ahorn-Karree noch besser gerecht werden soll. Die Zusatzausbildung richtet sich an Mitarbeitende der Pflege, der Hauswirtschaft und des Sozialtherapeutischen Dienstes. Auf Basis der jahrzehntelangen Erfahrung aus der Arbeit im gerontopsychiatrischen Haus Ahorn, das zugunsten des neuen Ahorn-Karrees aufgegeben wird, haben Sandra Hübner und Marek Leczycki, damals QM-Beauftragter der Graf Recke Wohnen & Pflege und heute Einrichtungsleiter der Senioreneinrichtungen im Dorotheenviertel Hilden, einen Paradigmenwechsel in der Begleitung und Betreuung von Menschen mit schwerer Demenz eingeleitet: Die Arbeit der neuen Präsenzkräfte geht über die übliche Grundversorgung weit hinaus und hebt die übliche Trennung zwischen den Bereichen Pflege, Sozialdienst und Hauswirtschaft auf. Diese Ausbildung ist in ihrer Art bislang einzigartig. 2019 erhielten die ersten 13 Teilnehmenden nach erfolgreichem Pilotdurchlauf der Ausbildung ihr Zertifikat. Der zweite Jahrgang stand in den Startlöchern. Und dann: Corona. Noch ein Rückschlag für das Leuchtturmprojekt Ahorn- Karree?

Präsenzkräfte-Ausbildung unter Coronabedingungen

Nein, denn die Pandemie traf die Organisatorinnen und Organisatoren nicht unvorbereitet: »Wir hatten ohnehin, unabhängig von Corona, schon digital geplant«, berichtet Sandra Hübner. Bereits zuvor hatten sie und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter ein E-Learning-System für die Graf Recke Wohnen & Pflege aufgebaut. Und so habe man auch für die Präsenzkräfte-Ausbildung bereits im Sommer entsprechend geplant, sagt Sandra Hübner: »Auf einen Präsenzkurs zu setzen, das war uns zu gefährlich.« Mitte Januar trafen sich die 13 Teilnehmenden des zweiten Durchgangs zwar noch einmal in einer Präsenzveranstaltung – coronakonform mit Masken und ganz viel Abstand in der Aula im Dorotheenviertel Hilden –, aber danach ging es digital weiter. Für alle Teilnehmenden waren Tablets beschafft worden, die ihnen für die Dauer des Kurses zur Verfügung gestellt werden. Wie gut es tatsächlich klappen würde, das wusste natürlich auch Sandra Hübner nicht. »Der erste Durchgang war ja komplett in Präsenz gelaufen, und das war auch richtig gut für den Zusammenhalt, alle fühlten sich wie in einer Schulklasse.« Doch die ersten Erfahrungen der digitalen Präsenzkräfteausbildung räumten jegliche Sorge gleich aus. »Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Teilnehmenden so schnell einen so guten Zugang finden würden«, sagt Hübner über die Stimmung im virtuellen Klassen Klassenzimmer. »Die haben sich da total begeistert reingestürzt, waren ganz schnell drin und hatten gar keine Scheu.«

Und die digitale Lernplattform habe ja auch einige Vorteile, betont Sandra Hübner: Alle digitalen Kurse seien für die Teilnehmenden abrufbar, wann, wo und sooft diese wollen. »Sie können sich auch untereinander austauschen und stehen im Kontakt mit Dozenten.« Dazu kommen die festen Termine für virtuelle Seminare. Also alles wie im ersten Ausbildungsjahr, nur digital? Nein, sagt Sandra Hübner, es gebe natürlich schon weitergehende Veränderungen. Zum Beispiel wurden bisher zweitägige Seminare auf einen Seminartag reduziert. »Aber dafür ist das Arbeiten im Digitalen auch deutlich intensiver.« Im November ist Prüfung. Wie es dann weitergeht – wie viel digital und wie viel analog dann nötig oder möglich sein wird –, hängt auch von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab. Klar ist: Die Digitalisierung des Lernens wird auch nach Corona in der Graf Recke Stiftung weitergehen.

Wichtige Information: Unterstützung benötigt

Die Ausbildung der Präsenzkräfte stellt für die Graf Recke Stiftung auch finanziell eine besondere Herausforderung dar. Die Kosten für die berufsbegleitende Ausbildung werden von der Stiftung selbst getragen, da keine Übernahme durch öffentliche Kostenträger möglich ist. Denn mit diesem Projekt geht das Engagement über die übliche Grundversorgung von Menschen mit schwerer Demenz hinaus. In der Hoffnung auf Zuschüsse zur Entlastung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten bemüht sich die Stiftung um Spenden und Fördermittel.

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