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Spielerisch Erinnerungen wecken

Ob Schlager, Fotografien oder Knobeln: Künftig können im Dorotheenviertel Hilden Bewohnerinnen und Bewohner mit schwerer Demenz den digitalen Aktivitätstisch nutzen. Er bietet hilfreiche und positive Anregungen – und scheint bei den Bewohnern sehr gut anzukommen. 

Fred Holzheuer ist ganz in seinem Element: „Das kenne ich“, ruft er und tippt auf dem digitalen Aktivitätstisch in ein abgebildetes Fenster auf dem Display. Dies ist eine Wasserrohrzange, ist auf dem Feld zu lesen, das sich daraufhin öffnet. Im nächsten digitalen Fenster gibt es eine Frage zum dort dargestellten Hammer: ob man sich damit schon einmal auf den Finger gehauen habe. „Aber sicher“, sagt Fred Holzheuer und fügt schmunzelnd hinzu: „und nicht nur damit!“

Der ältere Mann ist ein Bewohner der geschützten Facheinrichtung für Menschen mit schwerer Demenz der Graf Recke Stiftung im Dorotheenviertel Hilden. Der digitale Aktivitätstisch, an dem er gerade spielt, ist eine neue Anschaffung für die Bewohnerinnen und Bewohner, um sie spielerisch anzuregen und zu fördern. Ermöglicht wurde dieses zusätzliche Angebot durch eine Förderung der Heinz und Wilma Mudersbach-Stiftung.

Ein Aktivitätstisch im Einsatz

Zwei Vertreter der Stiftung waren zu Besuch in der Einrichtung, um den digitalen Tisch im Einsatz zu erleben. „Wir haben dieses Projekt sehr gerne unterstützt“, sagt Heinrich Klausgrete, Geschäftsführer der Mudersbach-Stiftung. „Das Konzept dieses Tisches fanden wir gleich interessant, auch wenn wir ihn uns nicht wirklich vorstellen konnten. Hier nun zu sehen, wie die Bewohnerinnen und Bewohneraktiv sind und Spaß haben, freut uns sehr.“

Auch Rosemarie Caspari, die Vorsitzende des Kuratoriums der Mudersbach-Stiftung, ist fasziniert, wie schnell und ohne Scheu die Bewohner nach einer nur kurzen Einführung mit dem Tisch umgehen.

Das ist kein Zufall, denn die Bedienung dieses Aktivitätstisches ist intuitiv ausgelegt. An ihm können Menschen, die an Demenz erkrankt sind, interaktiv Spiele wie Memory spielen oder kurze Werbefilme sowie Musik unter anderem aus den sechziger Jahren aufrufen. Auch eine „Jukebox“ kann mit Musik und Fotografien aus den Biografien der Bewohner abgespielt und als Einstieg in ein Gespräch genutzt werden. Das digitale Hilfsmittel wird in der Alltagsbetreuung der Einrichtung zum Einsatz kommen, es ermöglicht eine vielseitige Stimulierung und Förderung der Bewohner.

Erinnerungen als Einstieg in den Austausch

„Es ist das Kurzzeitgedächtnis, das vor allem bei einer Demenzerkrankung verlorengeht“, sagt Einrichtungsleiter Marek Leczycki, „die Erinnerungen an früher sind noch da, sie müssen nur abgerufen werden.“ Als am digitalen Aktivitätstisch alte Schlager gespielt werden, lächelt Helga Franke, die mit ihrem Besuch an einem Tisch ganz in der Nähe sitzt. Sie fängt an, sich im Takt zu wiegen und winkt den Vertretern der Stiftung freundlich zu. Auch das Interesse der anderen Bewohnerinnen und Bewohner ist geweckt, sie kommen näher und schauen, welche der Musiktitel am Aktivitätstisch sie noch von früher kennen.

Ein Beispiel dafür, was Marek Leczycki an diesem Aktivitätstisch schätzt: „Dies ist ein digitales Angebot, das wir für Einzelne, aber auch für Gruppen nutzen können und das den Austausch miteinander fördert. Der Tisch ist beweglich, damit können wir die besondere Anregung auf vier Rollen auch zu den Bewohnerinnen und Bewohnern bringen, die nicht mehr mobil sind. Den mobilen Aktivitätstisch werden wir auch an unsere zwei weiteren Senioreneinrichtungen im Dorotheenviertel Hilden ausleihen, damit möglichst viele Menschen mit Demenz davon profitieren können.“

Langjährige Verbundenheit

Der digitale Aktivitätstisch ist nicht das erste Projekt, das die Heinz und Wilma Mudersbach-Stiftung im Dorotheenviertel Hilden unterstützt hat. Für Heinrich Klausgrete ist das selbsterklärend: „Hier wird gute Arbeit geleistet in einem Bereich, der den Förderzielen der Mudersbach-Stiftung entspricht: die Unterstützung von hilfsbedürftigen Menschen in Hilden.“ 

Bei der Präsentation des interaktiven Aktivitätstisches trafen die beiden Stiftungsvertreter auf Bewohner mit Demenz, die aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums der Erkrankung und wegen Fremd- und Eigengefährdung geschützt in einer Einrichtung leben. Die Graf Recke Stiftung setzt sich auch mit ihrem bundesweit bislang einzigartigen Leuchtturmprojekt Ahorn-Karree dafür ein, dass Menschen mit Demenz würde- und respektvoll begleitet und betreut werden.

So selbstbestimmt wie möglich

„Das Konzept des Ahorn-Karrees zielt darauf ab, dass Menschen hier in kleinen Hausgemeinschaften so selbstbestimmt wie es ihnen möglich ist leben können. In dem neuen Quartier wird es im Dorotheenboulevard für die Bewohner neben einem Friseur und einem Bistro auch einen kleinen Einkaufsladen geben. „Wenn also jemand Freude daran hatte, morgens Brötchen für alle zu holen, dann wird er das bald auch hier für seine Mitbewohner in der neuen Hausgemeinschaft tun können“, erläutert Marek Leczycki das innovative Konzept, das er selbst mit entwickelt hat.

„Ich freue mich sehr“, fasst Rosemarie Caspari den regen Austausch mit den Mitarbeitenden zusammen, „dass so viel für Menschen mit Demenz getan wird. Manche Vorstellung ist da einfach veraltet. Auch wenn es für Angehörige nicht einfach ist, ihre Lieben in einer geschützten Einrichtung unterzubringen. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass man auch mit der Erkrankung hier weiterhin ein gutes Leben führen kann.“